07.12.2010

Dolce far niente

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Alles ist cool. Mein in der Leber lächelnder Freund, der sich geniesserisch neben mir in den Laken räkelt, mein Herz erfüllt von Liebe und Glücksjuchzern, ja, so gefällt mir meine Stimmung. Ein bisschen Kopfweh habe ich, weil ich von einer Probe zu einem Theaterstück komme, wo ich einen toten Vogel inkarnieren soll. “Und denk dran, Du BIST der Vogel”. Ich habe mich gefragt, ob ich einen auf sterbender Schwan machen soll, fand jedoch, das sei zu klischeehaft. Scheiss drauf, es war die erste Probe.

Der Sommer war traumhaft, märchenhaft. Ich glaubte mich in Tschechien schon in einem weiterem Heimatland. Es folgten Wien (so schön elegant wie eine Sachertorte), München (oh, du holde Zweite-Heimatmelodie) und Süditalien (la dolce vita). Abschliessend ein Besuch in meiner Heimat-Heimat, will heissen bei meiner Familie. Zusammengefasst ein eineinhalb-monatiger Aufenthalt ganz  im Stil von Eat, Pray, Love – die Erleuchtung des dolce far niente.

Nun wieder in Paris. Ein bisschen Weihnachtsstimmung kommt sogar hier auf. Im Viertel, wo die Italienerin und ich jetzt wohnen, sind sie dabei, eine richtige Schlittschuhbahn zu konstruieren. Da bin ich schon ganz scharf drauf. Von einem Inder, der Unterricht im Bollywoodtanzen gibt, habe ich heute an einem Weihnachtsmarktstand in der Metro ein Paar Ohrringe gekauft. Seine Verkaufsstrategie zieht. “Du haben eine sehr schöne Gesicht, bei dir alle Ohrringe schön”. Hab ich gleich noch ein Paar gekauft. Er gab mir seine Karte, für den Fall, dass wir mal tänzerisch was zusammen erarbeiten wollen.

Über Weihnachten ist geplant, dass ich nach Hause fahre. Und das neue Jahr beginnen wir in Prag..


29.07.2010

Lachs schmeckt besser als Foie Gras

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Was für eine verrückte Woche!!! Es war lustig bis zu einem gewissen Punkt, jetzt beginne ich allerdings die Fresse von dem Scheiss voll zu haben.

“Ist dein Freund in den Ferien?”

“Ja”

Schon bedeutet dies eine Einladung zum Ranschmeissen, zum Anbiedern, zum Ich-will-gleich-meinen-Pimmel-rausholen-und-bin-deshalb-mal-ein-bisschen-nett.

Die Spitze des Eisbergs war wahrlich gestern. Da habe ich gearbeitet und anschliessend war ein Umtrunk geplant, da die beiden Chefs gemeinsam ihren Geburtstag gefeiert haben. War nett und wir haben mit Champagner angestossen. Hunger hatte ich wie Sau und war froh, als Schnittchen serviert wurden, einmal mit Lachs, einmal mit Foie gras. Letzteres empfand ich als abstossend, wollte es aber trotzdem mal probieren. Hab reingebissen und sofort alles wieder in eine Serviette gekotzt.

“Das schmeckt ja wie Katzenfutter!!!”

Pfui!!! Sodann griff ich mir eine weitere Schnitte mit Lachs und liess die anderen den teuren Katzenfrass in sich hinein schlingen.

Als alle sich verpissen wollten, denn so eng ist man ja doch nicht miteinander befreundet, hat mir mein Boss angeboten, mit mich dem Roller nach Hause zu bringen, weil wir im selben Viertel wohnen. Klar, ist ja viel praktischer als die doofe Metro zu nehmen, denke ich, mal wieder total naiv.

Auf dem Gefährt einmal drauf, fragt mich mein Chef (in Fahrt), ob ich noch was essen wollte. Ja, warum nicht, ich meine, hatte ja noch immer einen Mordshunger und es war ja auch noch früh und ich hatte ja genug Vertrauen in meinen Chef.

Nun, da beginnt das Desaster. Da fängt der doch tatsächlich an, mich anzubaggern, weil er glaubt, er habe eine “Affinität” zwischen uns gespürt. Ich sage ihm, dass ich bis dato nicht mal daran gedacht habe, er sei doch mein Chef und wir haben ein Arbeitsverhältnis und er habe eine Familie und ich habe meinen Freund. Dass er einfach nicht mein Typ ist und für mich ein alter Sack lasse ich dezent unter den Tisch fallen.

“Ach, das ist mir egal”

Oh shit!!! Ich versuche weiter, Argumente zu finden, aber er wehrt nur ab.

“Ach, meine Tochter wird immer das Wichtigste für mich sein und im Ernstfall käme meine Freundin auch ohne mich klar”

Oh shitty shitty shit!!! Ich erkenne, dass ich in eine andere Richtung gehen muss. Doch auch die Ich-liebe-meinen-Freund-wirklich-und-könnte-nichts-mit-einem-anderen-anfangen-Masche scheint ihn nicht wirklich von seinen Anmachversuchen abzubringen.

“Ja, wir haben ja beide unser Leben, das wissen wir ja”

Er fragt mich doch im Ernst, ob wir nicht die Nacht zusammen verbringen wollen und versucht, als ob das nicht schon genug wäre, mich zu küssen, was der Foie Gras-Erfahrung erschreckend nahe kommt. Nachdem ich ihn von mir weggeschoben habe, lehne ich dankend ab und sage:

“Ich finde das Ganze jetzt nicht so gut und bevorzuge es, nach Hause zu gehen”

Das versteht er dann auch, will mich aber unbedingt wiedersehen und schreibt mir heute schon wieder Textmitteilungen, wo er mich fragt, ob ich einen schönen Tag hatte und wo er mir einen schönen Urlaub wünscht.

Was für ein heisser Hund, der soll sich doch mal einen runterholen, um sich abzukühlen.

Noch in der Nacht erreicht mich eine Textmitteilung von Stef.

“Gute Nacht, mein Schatz. Du fehlst mir so!”

Heute führen wir ein zweieinhalbstündiges Gespräch auf skype, ein Programm, das ich gerade für mich entdecke und seit kurzem auch als neues Kommunikationsmittel mit meinem Dad einsetze. Und dieses Mal sehe ich ihn, boah, ist er so eine geile Sau, oberkörperfrei sitzt er da und ich kann mich nicht mehr halten. Nur leider anfassen geht nicht und wir sind beide so rattig, dass wir Bildschirmsex haben. Lachs schmeckt eben millionen Mal besser als Foie Gras!


27.07.2010

Ticket to ride!

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Seit Sonntag bin ich wieder in Paris. Ich war für ein paar Tage nach Deutschland gereist, um meine Eltern zu besuchen. Die fehlen mir jetzt schon, wir haben uns verdammt gut verstanden. Bei meiner Oma war ich auch. Die ist nun schon seit einigen Monaten in einer Seniorenresidenz, das ist echt deprimierend, so ein Drecksschuppen. Die kümmern sich nicht wirklich um sie, keine Beschäftigung, das einzige Programm ist das Frühstück, das Mittagessen, die Kaffeezeit und das Abendessen. Meine Patentante haben mein Dad und ich auch besucht und auf der Hinfahrt hat mein Dad mich mit dem Auto fahren lassen, weil ich doch keines mehr habe und ich Autofahren so geil finde. Mit Lucja habe ich mich auch getroffen und wir haben cool einen drauf gemacht und waren in unserer alten Stammkneipe. Ansonsten ist diese Kleinstadt ganz schön öde. Nur Touristen um die Zeit und auch ein paar Junggesellenabschiede. Kleinstadt eben.

Selbst meine Eltern haben die Fresse allmählich voll von dieser Stadt, vor allem wegen dieser debilen Bildzeitungsnachbarn, die sich in alles einmischen wollen und überlegen, ans Meer zu ziehen.

Der Tscheche beginnt mir auch zu fehlen. Wir telefonieren über skype, aber er kann nur mich sehen, ich ihn nicht, weil irgendwas mit seiner Kamera am Arsch ist.

Dann die Sache mit der Loveparade. Auch ein echt krasses Ding. Ein Kumpel von Stef ist wohl da gewesen, dem ist zum Glück nichts passiert, aber ein Trauma ist das schon. Eine Massenpanik, die kann überall ausbrechen. In Paris zum Beispiel, in der Metro, wo sich stets entsetzlich viele Leute wie Ölsardinen durch die Gänge quetschen. Kein erquickender Gedanke!

Die Stadt geht mir gerade auch auf den Geist. Und hier im Appartement, wo wir schon wieder zu viert in zwei Zimmern schlafen, fühle ich mich ein wenig wie ein illegaler Einwanderer. Dabei war es gestern ganz cool am Paris Plage mit einer Flasche Wein und der Schwester der kleinen Italienerin und den Flirtversuchen zweier Angestellten, von denen einer ganz jung war. Am Ende waren wir eine sechsköpfige Gruppe, als die Italienerin und ein Kumpel auch noch hinzukamen, die da durch die Strassen von Paris zog. Cool, aber Stef hat mir dabei noch krasser als ohnehin schon gefehlt. Am nächsten Mittwoch fliege ich nach Prag..

Am Dienstag müssen die Italienerin und ich noch unseren Umzug über die Bühne bringen. Voll der Stress! Und ich frage mich ohnehin, warum ich schon jetzt in Paris bin, ich hätte ja auch noch in Deutschland bleiben können. Allerdings war das Ticket schon gekauft und umbuchen geht bei der Bahn,die ja so flexibel ist wie ein Brecheisen, nicht, da hätte man schon den vollen Fahrpreis für ein neues Ticket zahlen müssen. Das muss man sich mal reinziehen!

Jetzt bin ich gerade im Chat mit dem schwulen Kumpel von Stef, der nicht weiss, ob er in Paris bleiben soll oder nicht, und warte darauf, dass die anderen endlich aufstehen (wohlgemerkt, es ist 14.20h). Und ständig muss ich aufpassen, dass nicht wieder die Strassenkatze in die Bude hüpft und ihre Katzenhaare am Sofa entlang schrubbt. Ah, die Tür ist aufgegangen, die Schwestern stehen auf! Boah, und da ruft auch gleich der Alte von der kleinen Italienerin an, den Stef nur “Low Batterie” nennt, weil er so ein Langweiler ist. Gestern hatten wir doch tatsächlich so was wie Skypesex, ich hab ja nichts gesehen wegen der Kamera, aber ich habe so ein bisschen Quatsch gemacht vor der Kamera und das hat ihn wohl scharf gemacht und er hat unterm Tisch an sich rumgefummelt, obwohl sein Stiefvater im Zimmer neben an war.

Aber er habe ihn vor ein paar Tagen wohl erwischt, wie der sich einen runtergeholt habe. Da war die Katze gerade im Begriff zu sterben und hatte “so komische Zuckungen” und Stef sei wohl in das Zimmer seines Stiefvaters geplatzt und da habe dieser schnell die Decke über sich geworfen und so getan, als würde er schlafen. Stef hat sich vor Lachen nicht mehr eingekriegt, als er mir das erzählt hat.

“Boah, das musst du dir mal reinziehen, der Arme. Erst erwische ich ihn, wie er gerade am entspannen ist und dann erzähle ich ihm noch, dass seine Lieblingskatze gerade abkratzt!”

Also, so langsam geht mir der schwule Kumpel jetzt aber auf den Sack! Ich werde wohl so tun müssen, als sei mein Computer abgestürzt. Der kann einem ja mal echt auf den Scheiss gehen, worauf habe ich mich denn da eingelassen? Puuuuh!!! Ach, er hat es eingesehen und sich verabschiedet (zum zweiten Mal). Bisous!


18.07.2010

Fireworks

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Eine wunderschöne Woche ist zu Ende. Eine Woche mit Stef.

Am Samstagabend 0:40h laufe ich in Hippiekleid und Havaianas der Tramstation entgegen. Von weitem erkenne ich ihn, wie er da steht mit seiner Reisetasche, sonnengebräunt, in beigen Shorts und körperbetontem T-Shirt, das seinen gestählten Oberkörper noch prachtvoller wirken lässt. Ich renne los und falle ihm um den Hals, klammere mich an ihn wie ein Äffchen, er küsst meinen Hals und drückt mich fest an seine Brust.

“Es tut so gut, Dich zu sehen”

Er sagt, ich sei noch schöner geworden, was ich zurückgebe, denn mit der Bräune leuchten seine blauen Augen wie der Ozean und ich verliere mich darin. Er packt ein Geschenk aus, eine kunterbunte Ibizahippiehalskette, die perfekt zu meinem Outfit passt.

Gemeinsam schreiten wir, er in grossen Havaianas, ich in kleinen, die fast menschenleere Strasse entlang und wir können nicht aufhören, uns anzuschauen und uns begierig mit Blicken zu verschlingen.

Im Appartement habe ich eine Kleinigkeit vorbereitet. Champagner, eine Geburtstagskarte und ein T-Shirt aus der Boutique, dessen Farbe genau der seiner Augen entspricht. Gekocht habe ich auch, aber er hat nur Hunger auf mich. Ich bin so überglücklich, dass er da ist, neben mir, mit mir, in mir, überall, ich kann nicht genug von ihm haben.

Den Tag über arbeite ich, aber das macht nichts, denn er läuft von Büro zu Büro, um sich für den Master 2 einzuschreiben. Die Nacht gehört nur uns. Wir lieben uns unentwegt, trinken Asti aus Tassen, weil es keine Sektgläser im Haus gibt, lachen zusammen wie noch nie, gehen gemeinsam einkaufen, ich koche für ihn, er besucht mich in der Boutique, um mir eine Dose Coca Zero zu übergeben, er nennt mich seine Frau, ich ihn darauf meinen Mann, wir verpassen das grosse Feuerwerk vom 14. Juli und nehmen stattdessen die Tram, um in der Universitätsstadt zwei Getränkedosen zu ziehen und vor dem Heinrich Heine-Haus einen zu rauchen. Er lernt meinen Mitbewohner kennen und die beiden sympathisieren, dann Mittwoch- und Donnerstagabend Full House mit der Italienerin und ihrer Schwester, die auf der Durchreise sind und am Freitag den Flieger in die Türkei nehmen. Stef wollte ebenfalls am Freitag abreisen, er hat ein Open-Ticket für den Bus. Ich bin so traurig, weil er noch dazu am Morgen früh los muss, um noch was zu erledigen. Doch er ruft mich an, um mir mitzuteilen, dass er sicher eh den Bus verpassen würde und doch auch bis Sonntag bleiben könnte. Ich freue mich, denn am Wochenende ist niemand da und wir haben sturmfrei. Zwar muss ich arbeiten, aber das ist auch nicht so schlimm, denn am Samstag kommt er wieder in die Boutique und er ist so schön, dass es mir den Atem verschlägt und wir schauen uns tief in die Augen und ich vergesse die Kunden um mich herum und überhaupt alles und ich erwache erst, als ein Kunde mich fragt, ob es die Bermudashorts auch in Gr. 40 gibt.

Und das Wochenende ist die Krönung der Woche und als ich das Appartement betrete, erwartet mich ein Briefumschlag mit einer Zeichnung in Graffiti-Art mit einem Herz und meinem Namen und Geld drin, damit ich mir “was Schönes” kaufen kann.

Heute ist er abgereist, ich war wieder arbeiten und zwischen 19.30h und 21h haben wir uns mindestens 20 Textmitteilungen hin und hergeschickt, manchmal sogar gleichzeitig, dass wir uns vermissen und dass er in Nostalgie die Fotos von uns anschaut und dass alles doof ist ohne ihn und dass wir uns Anfang August endlich wieder in die Arme schliessen.


10.07.2010

Temptation

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Morgen kommt mein Freund zurück. Er fehlt mir und ich habe solche Lust, ihn in den Armen zu halten. Gestern Abend hat er mich angerufen, als sein schwuler Kumpel gerade nicht im Zimmer war. Er habe nachgedacht über das, was ich ihm sagte, bevor er gefahren ist und er fände, er habe doof reagiert. “All die Pärchen am Strand und ich bin hier ohne dich, das ist ätzend”. Obendrein hielte man seinen schwulen Kumpel und ihn für das Pärchen. “Zuerst habe ich dich ein bisschen vermisst, aber jetzt fehlst du mir richtig krass”. Sein bester Freund in Paris ist nach Marokko verzogen, seine beste Freundin zieht nach Rouen. Sein schwuler Kumpel beginnt ihn zu nerven, weil er spürt, dass dieser heimlich verliebt in ihn ist und ihm das zu denken gibt. “Ich hab’ doch nur dich in Paris”. Es berührt mich, jedoch weiss ich nicht, wie ich es auffassen soll, denn es beinhaltet einiges mehr als nur sentimentale Liebesfloskeln. Es bedeutet auch, dass er nach dem Studium Paris verlassen will und möglicherweise davon ausgeht, dass ich mitkomme. Klar, sage ich jetzt, ich gehe mit ihm bis ans Ende der Welt. Doch was ist, wenn es wirklich so weit ist? Und wo sollen wir dann hin? Nach Tschechien? Zwar gefällt es mir dort, doch alles, was ich habe, ist hier. Alles, was er hat, ist dort drüben.

Kurz vor diesem Anruf hatte ich ein Treffen mit einem bookeur, mit dem mich der Verantwortliche der Boutique in Verbindung gebracht hatte. Ein dynamischer Typ meines Alters, der vor seinem Job über ein Jahr lang selbst in der Boutique gearbeitet hat. Wir sind uns bereits im Januar auf einer Modenschau begegnet, ich konnte mich aber nur sehr vage bis gar nicht an ihn erinnern, obwohl er sympathisch daherkommt. Er hat mir jedenfalls wie wild die Hand geschüttelt und mich freudestrahlend begrüsst (dabei hatte ich keinen blassen Schimmer, wer er war), bevor ihn mein Boss fragte, “ob er nicht was für mich tun könnte”. Daraufhin hat mich der bookeur von oben bis unten gemustert und gemeint “klar!” und wir haben Nummern ausgetauscht. Er hat mich dreimal angerufen, aber ich war ein bisschen beschäftigt und wohl wieder mal zu flegmatisch. Er kam ausserdem ziemlich häufig in die Boutique, was mir jedes Mal peinlich war, denn ich hatte ja noch immer nicht zurückgerufen. Als er dann am Freitag, am Samstag und sogar am Montag in die Boutique kam, habe ich ihm endlich eine Textmitteilung geschickt, dass wir uns am Donnerstag nach der Arbeit sehen könnten und ich ihm so meine Sachen zukommen lassen könnte.

Richtig vorbereitet auf das Treffen war ich nicht, weil das Deutschlandspiel mich frustriert hat und ich eine Flasche Smirnoff Ice inhaliert habe und bis 4 Uhr mit einem Kumpel über Musik diskutiert habe. Ich war total gestresst und habe mich bemüht, ungezwungen glamourös auszusehen. Nun, er kam mich um 19.30h abholen und hielt mir einen Helm entgegen. Ziemlich lässig, denke ich, und ich frage mich, ob seine professionellen rendez-vous immer so ablaufen.

Er entführt mich in den Marais und lädt mich in ein Restaurant mit einer sehr coolen Terasse ein und bestellt mir Monaco und Kir Royal und ich bin schnell angetrunken und knabbere an einem Salat herum, an dem eine Ziege sicher mehr Freude hätte. Der bookeur schmeichelt mir, macht mir Komplimente und mehr und mehr wird mir klar, dass er nur einen Vorwand gesucht hat, mich anzubaggern und mir kommt sogar der Verdacht, dass mein Boss darin involviert ist. Obwohl ich mich ärgere, dass es wieder mal ein Luftballon ist, dem man desinteressiert Luft eingehustet hat, die sogleich wieder entströmt, lasse ich mich gerne verführen. Wir diskutieren über das Judentum, nachdem ich seinen goldenen Davidstern an einer Halskette bemerke, über Kunst, über Paris, über Bier, über Luxusboutiquen, ihre Kunden und ihre Verkäufer. Wir spazieren Arm in Arm in Richtung Notre-Dame und schauen den Péniches mit ihren Touristen zu, den Gauklern, entdecken einen Dreh von Gossip Girl, setzen uns nieder am Ufer der Seine und ich hoffe, dass er keinen Versuch unternimmt, mich zu küssen, denn ich fühle mich fragil. Er will mich “selbstverständlich” nach Hause fahren, denn er will ein Gentleman sein, und so durchstreifen wir Paris auf seinem scooteur. Dabei verlieren wir uns und brauchen länger als nötig, um anzukommen. Ich vergesse mich, bin flirty, weil er es ist. Er streichelt mein Knie.

Ich steige vom scoot ab und bin total gut drauf, da fährt der Kumpel vor, der, mit dem ich in der Nacht zuvor noch das Deutschlandspiel verfolgt und über Musik diskutiert habe und der anscheinend immer noch nicht begreifen will, dass ich niemals mit ihm schlafen würde, auch wenn man mich alleine mit ihm in einen Darkroom einsperren würde. Alles zerbricht in Scherben und mit einem Mal ist mir alles ganz furchtbar peinlich. Mein Kumpel, der den eifersüchtigen Macker spielt, der bookeur, der versucht, charmant zu bleiben und nicht weiss, ob dies mein Freund ist oder nicht, ich mir selber, weil ich versuche, den Kumpel, den bookeur, mich und die ganze Situation zu retten und zu verteidigen. Der bookeur düst schliesslich davon, nachdem er mich auf die Wange geküsst und mir verträumt in die Augen geschaut hat und ich schaue ihm seufzend nach, denn ich fand den Abend cool.

Mein Kumpel sticht mit Wortnadeln in die Seifenblase, in der ich gerade bin und findet, ich würde bestimmt mit dem Typ da schlafen. Auch wenn das nicht der Fall ist und ich mich wiederum verteidige, denn was in der Fantasie abgeht, ist jawohl immer noch meine Sache. Und was er überhaupt hier so zufällig macht. Angeblich sei er in einem Café gewesen und nun auf dem Heimweg. Ich kann es nicht fassen. Der spioniert mir nach. Und ist eifersüchtig, jetzt nicht mehr auf meinen Freund, dessen Präsenz er inzwischen hingenommen hat, sondern jetzt auf jeden Kerl, der eine sexuelle Anziehung auf mich ausübt.

Das ist wie mit dem schwulen Kumpel von Stef. Das geht gut und er mag ihn, so lange alles im Rahmen einer normalen Kumpelfreundschaft abläuft. Sobald der andere irgendwelche Annäherungsversuche startet, beginnt er, sich zu ärgern und hat das Gefühl, der andere missbraucht sein Vertrauen. Mit diesem Kumpel verhält es sich in etwa ähnlich. Wir hatten eine coole Zeit und viel Spass, bis der da am Donnerstagabend die Eifersuchtsnummer abzieht.

Ich schreibe dem bookeur eine Textmitteilung und frage, ob er gut angekommen ist, einfach nur, um ihm zu zeigen, dass der Typ nicht mein Freund ist. Und er antwortet prompt und schreibt, dass er gerade im Begriff war, mich dasselbe zu fragen (vermutlich, um sich zu vergewissern, ob ich alleine das Haus betreten habe).

Ich fühle mich eigenartig, verwirrt, und ich sehe, dass Stef versucht hat, mich zu erreichen und ich schlucke einen Cocktail aus schlechtem Gewissen und reiner Freude. Ich klingle ihn an und er ruft mich zurück. Es ist schön, seine Stimme zu hören.


06.07.2010

Zeiten ändern dich?

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Deutschland: 4!!! Argentinien: 0!!!

Wahnsinn!!! Auch wenn ich in Paris bin, bleibe ich am Ball. Es fehlt mir, mit meinen Kumpels die Spiele im Public Viewing zu verfolgen, bei Bier und Schwarz, Rot, Gold. Kristian wollte mich schon in die Heimat locken, falls Deutschland ins Finale kommt. Leider ist das erst für Ende Juli geplant.

In Paris sind Ferien und Schlussverkauf noch dazu. Also habe ich, um Geld für den Urlaub im August zu erwirtschaften, eine Stelle in einer Herrenboutique angenommen. Ein Prêt-à-Porter-Schuppen, einer von denen, wo ein Hemd 170 Euro kostet. Bleibt eine wichs Boutique.

Den ganzen Juli lang. Mein rechtes Knie ist jetzt schon angeschwollen wie ein Fussball, weil das scheiss lange Herumstehen eben so was provoziert. Letzte Woche war ich da den ganzen Tag, jeden Tag, sogar Sonntag. Das totale Kotzen. Seit heute muss ich erst um 14h anfangen, so dass ich immerhin morgens trainieren kann (mit Fussballknie). Daneben muss ich irgendwie die anderen Sachen auf die Reihe kriegen. Hier und da ein Shooting reinquetschen, eine Probe, eine Audition. Jetzt liege ich erstmal auf dem Bett und habe dicke Beine. Wasserbeine. Wie ‘ne Olle. Heute hat mir sogar jemand ans Herz gelegt, Stützstrümpfe zu tragen!!!

Wie kann man so einen Job 15 oder gar 20 Jahre oder gar noch länger machen???!!! Verkäufer!!! Das ist echt hart. Physisch. Psychisch. Für ein lumpiges Sklavengehalt. Und dann immer dieselbe ätzende CD. Minimalistische Kopfschmerzmusik ohne Melodie, immer dieselbe Kacke, wie das Geschäft. Fuck Routine.

Mein Freund hängt derweil in Spanien ab, mit seinem schwulen Kumpel, der ihm das Flugticket zum Geburtstag geschenkt hat. Er scheint sich ein wenig zu langweilen, zumindest schien er das in den letzten 5 Tagen. Hat mich schon zweimal angerufen und mindestens 10 Textmitteilungen gesendet, um mir zu sagen, dass er sich auf den gemeinsamen Urlaub mit mir freut. Hat sich auch schon auf die Fresse gelegt mit den Inlinern und kann jetzt nicht ins Meer. Er findet das langweilig, am Strand herumzuliegen und das Meer anzuglotzen. Ich finde, er hat das Maul zu halten, denn alles ist jetzt besser, als in der ollen Boutique die Klamotten anzuglotzen.

Ist es wahr, dass Zeiten dich ändern? Das sagt zumindest Bushido. Krass ist, dass ich in der Nacht, bevor der Tscheche in den Urlaub fuhr, ein Gespräch über Zukunft anfing. Weil ich mir das vorstellen kann, das gerne mit IHM will, das spiessige Heirats-Familien-All inclusive-Paket, das mir bis dato so zuwider war. Unglaublich! Ihm blieb fast das Herz stehen.

Er schreit mir, in Panik und mit Schnappatmung Sätze entegen wie: “Wir sind doch noch viel zu jung!” und “Ich fühle mich wie ein Teenager!” und “Ich bin Student!” und “Ich hab doch gar kein Geld für ein Kind!” und, meine Lieblingssätze “Du wohnst in einer Wohngemeinschaft!” und “Welche Sprache sollen die Kinder (jetzt sind es Kinder!!) denn sprechen? Und wo sollen sie denn wohnen?”

“Na, in meiner Wohngemeinschaft”, ging mir durch den Kopf, hab mich aber noch im letzten Moment zurückgehalten. Dabei wollte ich mich nur vergewissern, ob er Bock drauf hat, das mit mir durchzuziehen. Ich will nicht mit 45 da stehen, wenn er dann plötzlich Kinder will, und dann kann ich keine mehr kriegen, und dann verlässt er mich für eine junge Baywatch-Tussi.

Ich weiss ohnehin nicht, ob es gut ist, älter als 45 zu werden. Meine Mom ist depressiv und heult am Telefon, weil das Altwerden so schrecklich ist. Vor kurzem hat sie die 45 überschritten. Sie sagt, sie erkennt sich selbst nicht wieder, wenn sie in den Spiegel schaut und erschreckt sich und heult dann wieder. Die ganze Schönheit verblasst. Und meine Mom ist so eine schöne Frau. Das tut mir weh. Und macht mir Angst. Und dann das Leben mit meinem Dad, der ja 10 Jahre älter ist und schon einen Herzinfarkt und eine Krebstherapie hinter sich hat und obendrein hochgeradig depressiv ist. Er habe sogar bei der Versicherung angerufen, um sich zu erkundigen, ob meine Mom auch dann Anspruch auf seine Rente habe, wenn er Selbstmord begehen würde. Hatte ich erzählt, dass er tatsächlich nach Paris gekommen ist und Stef und er sich kennengelernt haben und sich gut verstanden haben und Stef uns beide in ein Restaurant eingeladen hat und ich für meinen Dad in einer Bar Rehab von Amy Winehouse gesungen habe?

Na, jedenfalls, alt werden ist trotz allem scheisse. Und ich habe echt Angst davor. Jung sein ist geil! Ein Geschenk! Jung und gesund und schön und verliebt.

Ich hab ihm daher gesagt, dass ich ihn verlassen muss, wenn er das nicht mit mir will. Denn in dem Fall zieh ich das Singleding durch, das wilde Leben à la Uschi Obermeier, mit Rockstars um die Häuser ziehen und die sexuelle Freiheit, Dinge ausprobieren, sich wegbeamen, verreisen, ohne an Morgen zu denken. Und jung sterben, an einer Überdosis Leben!

Aber es ist viel geiler, die Liebe deines Lebens zu heiraten, Kinder zu bekommen und herumzuchillen, zu verreisen, mit Rockstars, die Familie haben, um die Häuser zu ziehen.. Familie haben heisst ja nicht, dass dann alles so öde wie in der Herrenboutique wird.

Ich habe ihm am nächsten Tag per Textmitteilung mitgeteilt, dass es nicht, wie er dachte, meine biologische Uhr ist, die das Bedürfnis in mir entfacht, Kinder zu bekommen, sondern dass ICH mir das mit IHM wünsche, weil ER es ist. Er darauf: sur un nuage.

Ja, meine Einstellung zum Familiending hat sich geändert. Es stimmt wohl, Zeiten ändern dich, Lebensumstände ändern dich, die Liebe ändert dich, die Hormone ändern dich. Wer hätte gedacht, dass ich insgeheim auch ein Spiesser werden will?


29.05.2010

Musik

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Wieder diese Leere, das Gefühl, keinen Boden unter den Füssen zu haben, zu schweben, manchmal ist es ein angenehmes Schweben, zu Musik, leicht kaputt, bekifft, besoffen, nur leicht, sich leicht fühlen, wegfliegen wollen, abheben, zu tanzen und dabei wegzutanzen, in sich hinein zu tanzen, zu singen, alles raus zu singen, zu lieben, zu verschmelzen mit allem, was schön und gut ist.

Es gibt auch ein unangenehmes Schweben, das In-der-Schwebe-sein, nicht zu wissen, wo man ist, wo man hingehen soll, was gerade passiert und noch passieren wird.

Musik anmachen, wegschweben, alles vergessen, den Gedankenmist abschalten, einfach das Programm wechseln.

Ohne Musik wäre ich gestorben, hat Uschi Obermeier gesagt. Ich weiss, warum. Denn ohne Musik könnte ich das Leben auch nicht ertragen. Es gibt Melodien, die dich wegtragen, die so schön sind, dass sie dich zum weinen bringen, oder zum lachen, zum tanzen, so schön, dass du innerlich einen wohligen Schmerz empfindest, der dich sanft stimuliert und dich das Leben spüren lässt.

Wenn gar nichts mehr geht, dann ist da immer noch die Musik, so oder so ähnlich heisst es in “Absolute Giganten”. Und dann die beste Stelle, die, die am intensivsten und am traurigschönsten ist, in der Endlosschleife abspielen..


01.05.2010

Zugfahrt

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Und es rattert beharrlich, monotoner Brummrhythmus, dumpf und langweilig wie das Leben. Der Zug hält an einem dieser winzig kleinen Kuhdorfbahnhöfen und dann kommt einer, der nach Schweiss stinkt und der Ausschau nach leergesoffenen Plastikflaschen hält, um sie hinterher gegen Pfandgeld einzutauschen. Einer, der so stinkt, dass einen plötzlich die Ahnung beschleicht, wie verdorben ein Mensch im Inneren ist, einfach mal rein körperlich betrachtet. Wie faulig und dreckig und ekelig ein Mensch doch im Grunde ist und dass die Menschen, die nicht nach Schweiss oder Pisse oder Scheisse stinken, nur deshalb nicht stinken, weil sie täglich gegen den Gestank ankämpfen, mit Seifen, Duschgels, Shampoos, Deodorants, Parfums, Mundwassern und dergleichen. Viele von ihnen haben den Kampf zumindest an mindestens einer Körperstelle bereits schon lange verloren, kämpfen aber weiter, auch gegen stinkende Windmühlen, kämpfen tapfer gegen diese innere Menschenfäulnis an, dieses innere Verrotten und Verwesen, gegen Tod und Todesgestank. Auch ich kämpfe, obschon ich darüber im Klaren bin, dass auch mein Kampf irgendwann ein verlorener sein wird, in ein paar Stunden, Tagen, Wochen, Monaten, ein paar Jahren oder gar Jahrzehnten. Kämpfe weiter, klammere mich mit allen Kräften an das Leben, an den Nicht-Tod, an Wohlduft und gegen Gestank. Der Zug fährt weiter und der nach Schweiss stinkende Mensch verlässt das Abteil, nachdem er einigermassen zufrieden zwei oder drei leere Plastikflaschen aufgelesen hat.


05.04.2010

From Paris with love – anywhere could be better?

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Oh du süsses Nichtstun, rumhängen, Musik hören, rumalbern, Liebe machen, sich gegenseitig Geschichten erzählen, einen rauchen, kochen, essen, Film gucken und wieder von vorne anfangen.

Vor ein paar Stunden bin ich aus dem Urlaub zurückgekehrt. Urlaub bei Stef. Am Donnerstag kam seine Schwester zu Besuch, die erst fünfzehn ist und wir haben sie, so gut es ging, beschäftigt. Am Samstagabend waren wir so scharf aufeinander, dass wir uns zusammen in die Dusche verzogen haben, um mal ordentlich zu ficken.

Am Sonntagmittag ist sie abgereist. Das war gar nicht so geplant, dass ich noch da bleibe. Das hat sich so ergeben und es war himmlisch!!! Paradiesisch!!! So gut habe ich mich schon seit Ewigkeiten nicht mehr amüsiert, alles vergessen können, alle scheisskleinbürgerlichen Sorgen ausblenden können, einfach mal so richtig vom Leben profitiert, dieser Nutte!

Nun bin ich in meinem Appartement, meine Mitbewohnerin ist in Rom, bin alleine, trinke Panaché, lausche den Arctic Monkeys und versuche, nicht an morgen zu denken, denn der Gedanke an morgen deprimiert mich.

Es war wie im vergangenen Jahr in Tschechien. Das Beste, er lebt mit mir in Paris und wir müssen nicht wieder monatelang warten, bis wir uns wiedersehen. Ja, wir leben in Paris, la plus belle poubelle du monde! Der Preis hier zu leben, ist ziemlich hoch, manchmal denken wir, dass es überhaupt nicht lebenswert ist, tausende von Menschen, die sich gleichzeitig in die stinkende Metro oder RER quetschen, nach Scheisse und Pisse und Alk stinkende Penner, die plötzlich, wenn du an ihnen vorbeigehst, einen Anfall kriegen und wirres Zeug herunterpredigen, riesiges Polizeiaufgebot an der Station Châtelet, wo du auch ne Dosis Pfefferspray in die Fresse abkriegst, all die Leute, die dich abzocken wollen, die ständige Wohnungsnot, die ständige Suche nach einem neuen Job, einem neuen Scheissjob, für den du mal wieder total überqualifiziert bist, weil der alte keine Kohle mehr einbringt oder nicht genug oder dir einfach mal wieder gekündigt wurde und Kohle braucht man hier, wenn man sich amüsieren will in dieser Stadt. Aber hauptsache wir sind zusammen. Paris, also doch die Stadt der Liebe?

Tom hat mir geschrieben, ob es mir gefiehle in Paris und dass er jetzt Diplomarbeit schreibt und so weiter. Ja, der Tom, mein Reh, mein Refugium. Wir chatten ein bisschen hin und her. Frohe Ostern, schreibt er, in der Stadt der Liebe. Ja, ich bin verliebt. Nicht mal ER beeindruckt mich noch mit seinem Süssholzgeraspel, mit dem er beabsichtigt, mich Ende des Monats ins Bett zu kriegen. Wie erbärmlich. Einer, der keinen Mumm hat, sich auf die Liebe einzulassen, die Liebe zuzulassen, wie kann ich den noch ernst nehmen?

Mein Herz und Gefühl sagen, ich will nur noch einen Schwanz lutschen, den von Stef und ich habe schon einige Schwänze gelutscht. Aber niemand zuvor hat mich so vor Freude an die Decke hüpfen lassen, wenn ich es gemacht habe. Oft war es mehr eine Art Pflichtübung, ein Fleisskärtchen, das ist jetzt nicht mehr so, ich mache es wirklich gerne und wenn ich es mache, dann mache ich es gut, richtig gut, gigantesque, denn ich mache es mit all meiner Liebe, die ich empfinde, und das ist so gewaltig, dass ich nicht mal bei 20 Schwänzen zusammengenommen, die ich vorher gelutscht habe, so viel investiert habe, so viel gegeben habe, so viel Freude selbst empfunden habe. Also, wer bitte schön ist Tom?


20.03.2010

Drift away

bloggt by elaine in 1 | wong it!

Kennt Ihr das Gefühl, sich alleine zu fühlen, auch wenn man ständig von Leuten umgeben ist? Mir geht es gerade so. Einsam fühle ich mich. Vergrabe mich immer mehr in meinen unsinnigen Sinn-des-Lebens-Gedanken, melancholische Grundstimmung, alles andere ist nur Schminke, teures Parfum, Prét-à-Porter. Aufgesetztes Lächeln, das Gefühl, niemand versteht, was in mir vorgeht, immer nur ja sagen, ja, mir geht es gut, denn ich habe gelernt, die meisten interessiert nicht, wie es mir geht, was mich bedrückt.

Das Gefühl, alleingelassen zu sein, immer auf mich allein gestellt zu sein. Alle glauben, ich komme ganz gut alleine zurecht. Dabei brauche ich euch anderen, brauche eure Liebe, denn ich brauche so viel davon, will Liebe geben, immerzu, denn ich hab so viel davon und weiss nicht, wohin damit. Das Gefühl, die anderen sitzen in einem Glaskasten, Panzerglas, und ich habe keine Chance durchzudringen. Nur eine Öffnung zum Sprechen, oberflächlicher Kontakt. Sowieso sind die Menschen oberflächlich, egoistisch. Ich mache ihnen da nicht einmal einen Vorwurf. Die meisten machen das wohl aus Selbstschutz. Dabei tun wir uns alle weh. Immer bleibt alles nur an der Oberfläche. Damit komme ich nicht mehr klar.

Ich kann die Augen schliessen und versuchen, einfach mitzumachen, mitzuschwimmen, aber dabei beschleicht mich das Gefühl, selbst in einem Glaskasten zu sitzen und ebenfalls die anderen nur oberflächlich an mich ran zu lassen. Jeder sucht den Kontakt und die Liebe der anderen und will doch am Ende alles mit sich alleine ausmachen. Ich kann das nicht mehr. Kontrollverlust. Da hilft nur noch Musik. Und vielleicht telefonieren mit Mama..

When those vampires are tracking me, I take my car and drift away, let music surround me till I am totally overwhelmed by sounds and bass and guitars and drums, and then I melt, neglecting the existance of body and time and society’s bondage to merge with the melody’s ravishing beauty.

Mamas beruhigende Stimme am Telefon. Ein Anruf von Stef, der “meine Stimme hören wollte und sich gefragt hat, was ich so mache”. Und es geht schon besser. Weiterleben..


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